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Frankfurter Rundschau - 08. August 2005

Woodstock im Oderbruch

Von Peter Nowak

Ausnahmezustand herrschte am Wochenende in dem polnischen Städtchen Kostrzyn (Küstrin) im Oderbruch. Da hatten sich junge Menschen zum Trommeln versammelt, dort wurde Gitarre gespielt und überall studierten Menschen mit Rucksäcken eifrig den Stadtplan. Sie waren auf dem Weg zur Haltestelle "Woodstock", Europas größtem Open-Air-Festival. Mehr als 400 000 Menschen ließen dort zumindest musikalisch die späten 60er Jahre wieder auferstehen. Die 43 Bands, darunter die "Toten Hosen", erhielten für ihren Auftritt nur die Fahrtkosten erstattet. "Der Verzicht auf die Gage ist eine Bedingung, damit wir das Festival überhaupt auf die Beine stellen können", berichtet der Gründer und Organisator des Festivals, Jurek Owsiak.

Vor dreizehn Jahren rief der Journalist eine Spendenaktion für Kinderkrankenhäuser in aller Welt ins Leben. Das war die Geburtsstunde Polens größter Wohltätigkeitsstiftung. Als Dankeschön an die freiwilligen Helfer, die jedes Jahr im ganzen Land Geld sammeln, gibt es im Sommer ein Konzert. Es ist Kult geworden und Jurek Owsiak heute nach dem Papst der bekannteste Mann Polens, heißt es in den Warschauer Medien anerkennend. In Deutschland kennen ihn bisher nur Musikliebhaber.

Seit das Open-Air aus dem Landesinneren nach Kostrzyn, 80 Kilometer von Berlin, verlegt wurde, ist das Interesse der westlichen Nachbarn gestiegen. Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht war in diesem Jahr erstmals Schirmherr des deutschen Festival-Beitrags. Mehr als 7000 deutsche Besucher wurden 2005 gezählt. In den nächsten Jahren wird mit noch mehr Interesse gerechnet. Owsiak sieht darin auch einen Beitrag zur europäischen Verständigung jenseits schöner Sonntagsreden.

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