Märkische Oderzeitung - 13. April 2005
Öko-Aktivist Ben Wagin lässt Blumen sprechen Seelow (MOZ) In 20 Orten von Märkisch-Oderland und Polen hat der Berliner Aktionskünstler Ben Wagin am Mittwoch Sonnenblumen gesät. Sie sollen als Symbol des Friedens an die Tausenden Toten erinnern, die zum Ende des Zweiten Weltkrieges noch einen unsinnigen Tod sterben mussten. Der 75-jährige Öko-Aktivist war Mitbegründer der Friedenswälder von Seelow, Gorzyca, Brest und Moskau. In allen Städten pflanzte er als Zeichen der Beständigkeit und Zukunft Ginkgobäume.
Nach Vorstellung Wagins sollen im ganzen Land Sonnenblumenoasen das Thema 60 Jahre Kriegsende ins Bewusstsein der Menschen rücken. "Und wir müssen vor allem die Jungen erreichen", sagte er. "Sonst wird das, was wir als Kriegsgeneration erlebt haben, vergessen." Der Landkreis unterstützte die ungewöhnliche Aktion des Berliners und vermittelte in den Kommunen Partner, die auch die Pflege der kleinen Blumenflächen übernehmen. Ausgewählt wurden Regionen, in denen die Kämpfe besonders erbittert tobten wie Seelow, Golzow, Alt Tucheband und Küstrin.
Auch auf der polnischen Seite werden bald Sonnenblumen blühen, denn in Kostrzyn, Slonsk und Witnica kamen ebenfalls Kerne in den Boden. In Kostrzyn haben die Akteure auf dem Gelände des Open Air Festivals "Haltestelle Woodstock", dass am 5. und 6. August 400000 Jugendliche erwartet, das Symbol der Friedensbewegung gesät.
Am Donnerstag wird Wagin in Berlin mit einem Sonderzug der S-Bahn und Schülern der Regenbogen-Grundschule Neukölln die Aktion "Sonnenblumenoasen" starten. In allen Bezirken sind Pflanzaktionen vorgesehen, auch im Areal des von Ben Wagin initiierten Parlaments der Bäume gegenüber dem Reichstag. Mit dem Erlös der Sonnenblumenaktion - es wurden 100000 Tüten mit je 100 Kernen vorbereitet - sollen Projekte des Baumpaten unterstützt werden. "Berliner Friedens Botschaft" steht auf den Tüten. "Blumen sind besser als Reden", sieht es der streitbare Ben Wagin.
|