Märkische Oderzeitung - 27. Januar 2006
Zungenbrecher und Rock-Feste - Brandenburg ist im Jugendaustausch mit Polen bundesweit Spitze Potsdam (MOZ) Der Jugendaustausch zwischen Brandenburg und Polen erfreut sich seit Jahren steigendem Interesse. Mehr als 13000 junge Leute von beiden Ufern der Oder haben allein 2005 an Begegnungsprojekten teilgenommen, die vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk gefördert wurden.
Das Grenzgebiet zu Polen wird zumeist als Randregion wahrgenommen. Das aber kommt offenbar nur auf die Perspektive an. Auf einer Karte des Deutsch-Polnischen Jugendwerks, die die beiden Nachbarländer zeigt, liegen Schwedt, Frankfurt(Oder) und Eisenhüttenstadt jedenfalls mitten im Zentrum. "Die Karte ist eines der Hilfsmittel, mit dem wir Jugendliche auf das Nachbarland neugierig machen", erläutert die Geschäftsführerin des Jugendwerks, Doris Lemmermeier. Auf der Rückseite finden sich viele originelle Informationen, wie etwa der polnische Ort, dessen Name für Deutsche der größte Zungenbrecher sein dürfte. Es handelt sich um die Kleinstadt "Szczebrzeszyn" (etwa: Schtschäbschäschin), zu der es noch ein Zungenbrecher-Gedicht gibt. Polen erfahren unter anderem, dass das thüringische Eisenach durch Luthers Bibel-Übersetzung auf der Wartburg bekannt geworden ist, oder warum Mainz im polnischen Moguncja heisst (vom keltischen Gott Mogontiacum).
Brandenburg nimmt in der aktuellen Jahresbilanz des Jugendwerks den Spitzenplatz ein. Mit fast 7000 am Austausch beteiligten Jugendlichen und Schülern überflügelt es auch Nordrhein-Westfalen, in dem fast sieben Mal so viele Menschen leben. Neben der Nähe zu Polen dürfte dabei eine Rolle rollen, dass in der Grenzregion auch Grundschüler sowie eintägige Begegnungen gefördert werden, während die Teilnehmer sonsten zwischen 12 und 26 Jahren alt sein sollten und die Begegnung mindestens vier Tage lang.
Unter den mehr als 300 geförderten brandenburgisch-polnischen Projekten gehörte die Beteiligung der Jugendvereinigung Seelow am Rockfest "Haltestelle Woodstock" im Grenzort Kostrzyn (Küstrin) zu den Highlights. Im Vorfeld der großen Fete, bei der unter anderem "Die Toten Hosen" spielten, gab es einen Wettbewerb deutscher und polnischer Amateurbands, der in Seelow und Küstrin ausgetragen wurde. Dieser geht ab Februar in die zweite Runde. Und die Konzertfans sollten sich schon das erste August-Wochenende im Kalender als Termin für Woodstock 2006 vormerken.
Als Unterstützung für das Grundschulprojekt "Spotkanie - ich lerne Deine Sprache", entstand im vergangenen Jahr eine Polnisch-CD für Kinder. Traditionell wird vom Jugendwerk auch der Austausch von Azubis gefördert, an dem sich etwa künftige Hotelkaufleute aus Eberswalde beteiligen. Neu ist, dass kleine Unternehmen auch eine Förderung für Praktika polnischer Jugendlicher erhalten können.
"Dass Polen und Deutschland für die Fußball-WM in eine Vorrundengruppe gelost wurden, war für uns natürlich ein Volltreffer", sagt Doris Lemmermeier. So wie 2005 im Umfeld des Papst-Besuches zahlreiche Begegnungen junger Christen aus beiden Ländern stattfanden, wolle man sich auch für dieses Großereignis etwas einfallen lassen. "Von dem Spiel erhoffe ich natürlich ein Unentschieden, mit dem beide in die nächste Runde kommen", so Lemmermeier.
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