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www.maerkischeallgemeine.de - 28. Juli 2005

Umsonst und draußen, friedlich und drogenfrei: "Haltestelle Woodstock"

Von Ulrich Crüwell

Europas größtes Rockfestival an der Oder will in diesem Jahr verstärkt deutsche Besucher anlocken

Die "Haltestelle Woodstock" ist das größte Open-Air Festival Europas und hierzulande praktisch unbekannt. Dabei feierten im vergangenen Jahr 400 000 Menschen direkt an der deutsch-polnischen Grenze in Kostrzyn (Küstrin) unter dem Motto "Friede, Freundschaft und Musik".

Auch Jurek Owsiak ist nur hiesigen Kennern der Musikszene ein Begriff. In Polen kennt ihn jeder. Vor dreizehn Jahren rief der Journalist in seiner TV-Sendung "Macht was ihr wollt" zu einer Spendenaktion auf, um Kinderkrankenhäusern zu helfen. Aus der Idee entstand Polens größte Wohltätigkeitsstiftung mit dem Namen "Großes Orchester zur Festtagshilfe" (WOSP). Das Konzert ist ein Dankeschön an die freiwilligen Helfer, die jedes Jahr am neunten Januar in ganz Polen Geld sammeln. Bis heute hat die Stiftung 44 Millionen Euro gesammelt. Hinter all dem steckt Jurek Owsiak.

Gestern überreichte er Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht eine "Woodstock-Krawatte". Rupprecht ist Schirmherr des deutschen Festival-Beitrags - und Fan der Original-Woodstock-Helden Jimmy Hendrix und Carlos Santana, wie er sagte.

 

Im Seelower Jugendzentrum "Frizz" betreut der 29-jährige Przemek Swielerek das Forum der deutschsprachigen Internetseite der "Haltestelle Woodstock". "Ich kriege jeden Tag 400 Mails mit Fragen, ob es da auch Duschen gibt", sagt er. Gibt es. Die Seelower Medienoffensive und die ministerliche Schirmherrschaft könnten in diesem Jahr verstärkt deutsche Besucher nach Kostrzyn locken. Das Festival war im vergangenen Jahr bewusst an die Oder verlegt worden, um auf deutscher Seite Interesse zu wecken. 2004 fuhren schätzungsweise 15 000 Deutsche zum Festival.

In diesem Jahr gab es zudem in Müncheberg und in Gorgast (Oder-Spree) den Bandwettbewerb "Rock ohne Grenzen". Die Berliner Band "Scavenger" und die polnische Gruppe "2PU" setzten sich durch und haben einen Auftritt bei "Haltestelle Woodstock" gewonnen.

 
Und die Schlammschlacht gehört auch dazu, bei der Haltestelle Woodstock.

"Die Wahrheit ist, dass wir sehr wenig übereinander wissen", sagte Owsiak über die deutsch-polnischen Beziehungen. Für die "Toten Hosen" machte Owsiak vor zwei Jahren eine Ausnahme und akzeptierte deren Gagenforderung. Normalerweise spielen alle Bands gegen eine kleine Aufwandsentschädigung. Als die Düsseldorfer Punker dann aber vor dem Publikum standen, verzichteten sie spontan auf ihr Gehalt.

In diesem Jahre kommen die Musiker um Campino wieder und spielen wie alle anderen Bands für eine wirklich nur symbolische Gage von 25 Euro.

"Haltestelle Woodstock" habe eine ähnlich friedliche Atmosphäre wie das Festival in den USA, sagt Jurek Owsiak der 1994 einen Film darüber drehte und so auf die Idee einer polnischen Neuauflage kam.

Auch in diesem Jahr wird auf finanzielle Hilfe von Sponsoren verzichtet. "Umsonst und draußen, friedlich und drogenfrei" heißt die Devise des Woodstock-Ablegers an der Grenze.

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